Poetry Slams und Literaturshows in Stuttgart

22
Jan

Der Film “Avatar” hat gerade über Monsterkippermäßig viel Schotter eine Milliarde Dollar eingespielt. Er wird noch mehr Unobtainium Geld einspielen, viel mehr. Denn viele Menschen wollen in 3-D und in Farbe dabei sein, wenn gute, edle, blaue Schlümpfe Eingeborene kleine blasse Teufel Erdlinge von ihrem Planeten schmeißen, weil die kleinen blassen Erdlinge halt Teufel böse und geldgeil sind. Sie fällen auf diesem fremdem Planeten fremde Bäume und zerwühlen die Natur mit in Afghanisten und im Gazastreifen getesteten Bomben. Ihr Ziel ist, Löcher in den fremden Planeten zu buddeln, um dort wertvolles Gestein zu fördern. Zugutekommen soll das letztendlich den Quartalszahlen des Konzerns, für den die kleinen blassen fiesen Teufel Erdlinge arbeiten.

Ersetzt man die großen blauen Eingeborenen durch Stuttgarter Einwohner und die kleinen blassen Teufel Erdlinge durch Politiker, Bauherren, den Immobilienadel und die Deutsche Bahn, kann man die Handlung von “Avatar” fast 1:1 auf das Stuttgarter Stadtzentrum und ganz speziell den Stuttgarter Schlossgarten übertragen.

Wer die Stuttgarter Innenstadt nicht kennt: Der Schlossgarten ist der einzige größere grüne Fleck in einer ansonsten bis auf den letzten Fleck zubetonierten, versiegelten, grauen Steinstadt in brutaler Tallage, die im Sommer heiß wird wie ein Wok, da es an Frischluftzufuhr und kühlenden grünen Parks mangelt. Nur im Schlossgarten gibt es Gras und stehen Bäume. Große Bäume, Schatten spendende Bäume, alte Bäume. Ob sie gesund sind, weiß ich nicht, aber sie sehen gesund aus, kippen nicht von alleine um und haben viele, viele Jahre benötigt, um so groß zu werden.

Und nun will man sie fällen. Denn kleine, blasse Erdlinge vom Staat, der Immobilienwirtschaft und der Bahn wollen große Löcher in den Schlossgarten bohren. Lange, waagerechte Löcher, durch die teure Schnellzüge rauschen, deren Fahrpreise für viele Menschen unerschwinglich sind und in denen die Erdlinge vom Staat, der Immobilienwirtschaft und der Bahn eh nie fahren, weil sie im Dienstauto mit Chauffeur durchs Land gekutscht werden. Nun, um auf den Punkt zu kommen: Für die Baustelle zum Höllenprojekt “Stuttgart 21″ sollen 282 Bäume gefällt werden. Große, stattliche, Schatten, Luft und Kühle spendende Bäume.

Der Sprecher von “Stuttgart 21″, Wolfgang Drexler (ja, SPD), hält den Kaulquappennummerierern (G. Polt) übersmaulfahrend entgegen, dass sie sich mal nicht so aufregen sollen, weil für die abgesägten alten ja wieder 191 hippe, brandneue Bäume gepflanzt werden. Das sind, wenn ich meinem Taschenrechner Glauben schenke, ganze 91 Bäume weniger als abgeholzt werden.

Es werden also 91 große, Schatten spendende Bäume fehlen. Dafür quälen sich dann 191 kleine strichförmige, schwache Setzlinge in die Höhe, von denen vielleicht die Hälfte durchkommt und, wenn ich 90 Jahre alt bin, noch nicht den Umfang und die Größe der demnächst fallenden Bäume erreicht haben werden. Die andere Hälfte ist zu schwach und wird vom Feinstaub erdrückt, von Hunden totgepullert oder von marodierenden Jugendlichen umgekickt. Deren Freizeit spielte sich vor kurzem noch in einer Jugendeinrichtung ab. Dieser wurde allerdings der Geldhahn abgedreht, um “Stuttgart 21″ finanzieren zu können.

Wann es mit den umfangreichen Baumfällarbeiten im Stuttgarter Schlossgarten losgehen soll, wird die Bahn vorher nicht verraten, um – logisch – Demonstrationen zu verhindern. Bei Nacht und Nebel werden die Kettensägen angeschmissen.

Doch jetzt kommts: Auf der Seite www.parkschuetzer.de kann man, sollte man und muss man sich registrieren, um dem Schlossgarten und den Bäumen dort beizustehen.
Ich habe es gerade getan!

Eine Registrierung dort wird die ganze Fällaktion zwar nicht verhindern können, denn wie wir wissen, siegt das Böse immer – außer in “Avatar”, aber das ist ja auch nur ein Film. Die Realität folgt leider einem ganz anderen Drehbuch. Aber je mehr Menschen sich auf der Seite registrieren, um Netzwerkmäßig über die ersten untrüglichen Anzeichen bevorstehender Fällarbeiten unterrichtet zu werden (plötzlich abgesperrte Flächen, denn jede Fällaktion kündigt sich durch Wegesperrungen an) und daraufhin aktiv Partei zu ergreifen, um so beschämender wird es für die Betreiber des Projektes werden, ihr renditefixiertes Minderheitenprojekt durchzupeitschen.

Zitat aus der Stuttgarter Zeitung von gestern: “Der GAU für die Verantwortlichen wäre, dass an den dicksten Baum der Schauspieler und Stuttgart 21- Gegner Walter Sittler gefesselt sein könnte, der bereits ein Bäumchen als Mahnmal gepflanzt hat.”

In diesem Sinne: Hoffen wir auf einen GAU. Und macht bei diesem GAU mit! Seid GAUner!!!
Also, ihr Stuttgarter, registriert euch.

Ein unmittelbarer Anwohner des Schlossgartens bedankt sich!

Category : Ankündigungen / Gelesen, gehört und gesehen / Nils Heinrich

One Response to “Mein Freund, der Baum”