Poetry Slams und Literaturshows in Stuttgart

24
Feb

Ach, es könnte doch so schön sein, wenn es tatsächlich so wäre, wie man behauptet. Wenn junge, stinkende stinkreiche Menschen einfach zu Hause bleiben wollen, um im Hartgeld ihres Wohnzimmergeldspeichers zu plantschen, denen zuprostend, die draußen zur Arbeit eilen, um dort weniger Geld zu bekommen als die feiernden Hartzer in ihren 100 Quadratmeterlofts.
Wenn diese jungen faulen Früchte unserer dekadenten Gesellschaft den Hilfeaufruf ihrer Stadt, die draußen im Schnee erstickt und im Eis versinkt, ignorieren. Es könnte so schön sein, wenn das tatsächlich sozialistische Zustände wären.

Dumm ist hingegen, wenn man, wie der amtierende Hartz IV- Außenminister, mit seinen Ideen (“Junge Menschen könnten hier in Berlin Schnee schippen”) zu spät kommt.

Denn junge Menschen, viel zu viele, nämlich 25.000 Menschen, wollten eben genau dies tun, in Berlin. Die Berliner Stadtreinigung konnte aber lediglich 650 Menschen einen der begehrten Kurzjobs anbieten, wie hier nachzulesen ist.
Westerwelle sollte einfach mal Zeitung lesen. Oder jemanden fragen, der sich damit auskennt. Aber das geht nun auch wieder nicht, denn dann bekäme er ja eine Antwort und müsste zuhören, was ihn wiederum vom Reden abhalten würde.

“Wenn früher im Fernsehen Herbert Wehner sprach, stellte man lauter. Wenn heute der Westerwelle spricht, geht man in die Küche und macht sich was zu essen.” (Dieter Hildebrandt)

Und hier noch ein Lesetipp: Das “Schwarzbuch Deutsche Bahn” ist, legt man die leidenschaftlichen Rezensionen auf Amazon zugrunde, ein Stich ins Wespennest. Ich habe sie durchgelesen. Auffällig sind die häufigen Lesermeinungen, die dem Buch vorwerfen, nur an der Oberfläche zu kratzen. Vermutlich haben jene Rezensenten das Buch ebenfalls nur an der Oberfläche gekratzt. Ich will nicht zu sehr in die Tiefe gehen, lest sie selber, die Rezensionen.
Aus einer positiven zum Buch bleibt mir folgender Satz des Users Hubert K. hängen: “Am Meisten macht mich allerdings die organisierte Verantwortungslosigkeit der Politiker und Parlamente wütend.
Das Buch bestärkt, sich künftig stärker engagieren zu müssen.”

Und genau das ist, und da bin ich mächtig stolz drauf, jeden Montag hier in Stuttgart der Fall: Woche für Woche gehen mittlerweile um die 3000 Menschen auf die Straße, um gegen die Pläne der Bahn zu demonstrieren, das Zentrum der gebeutelten Stadt mit der Großbaustelle für ihren ungewollten, viel zu teuren neuen Bahnhof zu zerstören.
3000 Menschen.
Demonstrieren.
Jede Woche.
In Stuttgart.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!
Wenn das keine Bürgerbeteiligung ist.

Mehr Infos dazu hier:
http://www.leben-in-stuttgart.de/
http://www.parkschuetzer.de/

Category : Allgemeines / Andere Veranstaltungen / Gelesen, gehört und gesehen / Nils Heinrich

One Response to “Diese blöde Realität!”